Dienstag, 25. Juli 2017

Aedes De Venustas // Pélargonium



Die bayerisch-amerikanische Superbrand Aedes De Venustas, gegründet 1995 von Karl Bradl und Robert Gerstner, ist meiner Meinung nach eine der momentan spannendsten auf dem olfaktorischen Nischenmarkt. Nicht nur die grandios schönen Flakons stechen mit ihrer edlen Haptik und der opulenten Glasfassung aus der manchmal nur schwer zu überblickenden Masse heraus, auch die Düfte selbst sind wahre Meisterwerke und regelrechte Glücksgriffe für Liebhaber. Ich habe mich Ende letzten Jahres in Cierge de Lune verliebt (die Review gibt es hier) und erwarte seit diesem Zeitpunkt jeden Aedes-Launch sehnsüchtigst. Die avantgardistischen Parfums lösen auch unter Stars wie Liv Tyler und Sarah Jessica Parker regelmäßig Begeisterungsstürme aus, die der Boutique in Greenwich Village in New York sogar gerne mal persönlich einen Besuch abstatten.

Pélargonium* heißt nun der achte Streich des genialen Duos und ist eine Hommage an die gleichnamige Blume, die zu den Storchschnabelgewächsen gehört. Die würzig-holzige Komposition, die so wunderbar in einen trockenen Sommer passt, wurde von der Parfumeurin Nathalie Feisthauser kreiert. Und keine Geringere ist für den Hermès-Überflieger Eau des Merveilles verantwortlich. Diese Assoziation schoss mir schon beim ersten Schnuppern sofort durch den Kopf und Ihr wisst, wie sehr ich die Hermès-Düfte liebe. Pélargonium ist eine erwachsene Ode an einen vergangenen Urlaub am Meer. Der Körper von der Sonne aufgehitzt, der Kopf glückstrunken von Freiheit und Euphorie, die letzten Sandreste des Tages noch zwischen den von Sandalen umhüllten Zehen. Geeister Mandarinen-Eistee tropft auf heiße Steine, dazu gesellt sich die angenehm subtile Würze von Kardamom, Vetiver und Schwarzem Pfeffer. Rosengeranie, Iris und Möhrensamen verleihen dem Duft einen Hauch Leichtigkeit, nehmen ihm aber nicht seinen definitiven Unisex-Charakter. Der Verlauf gleicht einem Spaziergang durch einen von üppigen Kräuterbeeten gesäumten Paradiesgarten. Frischer Tau glitzert in der atmosphärischen Morgensonne, die von Erdaromen olfaktorisch begleitet wird. Für mich haben die Aedes-Kreationen auch immer ein bisschen was von Zeitreise, denn sie versetzen den Träger gerne mal in eine längst vergangene Epoche, ohne auch nur einen Ticken zu altmodisch zu sein. Avantgarde meets Classiness, aber stets auf einer tragbaren Schiene. Und hat man die Welt von Aedes De Venustas erst einmal für sich entdeckt, kommt man so schnell nicht mehr von den besonderen Wässerchen los! Pélargonium - ein Sommernachtstraum.

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